INGEDE News

Januar 2020

Wie Druckerzeugnisse rezyklierbar werden (und bleiben)

Druckerzeugnisse befinden sich in zunehmendem Wettbewerb mit den elektronischen Medien. Nicht wenige Menschen glauben, eine Zeitung am Bildschirm zu lesen, sei nachhaltiger als auf Papier. Dass dies ein Irrglaube ist, zeigen zahlreiche Ökobilanzen, siehe auch INGEDE News im Oktober.

Große Unternehmen behaupten gegenüber ihren Kunden, ein Verzicht auf Kontoauszüge, Telefon- und andere Rechnungen und andere Informationen auf Papier schone die Umwelt – in Wirklichkeit schont der Absender damit seinen Geldbeutel vor allem durch die Portoersparnis. Mehr dazu – und zum Thema Plastikfolien und Biofolien – in den INGEDE News vom November.

Den ökologischen Vorteil behalten Papierprodukte nur solange das Recycling funktioniert – und dazu müssen die Auftraggeber und Inverkehrbringer von Druckprodukten verstärkt darauf achten, recyclingfreundlich zu produzieren.

Graspapier macht Grasflecken beim Papierrecycling: Die Werbe-Webseite für Graspapier wirbt damit, Graspapier sei recyclebar. Doch diese Werbung ist zumindest irreführend, die Angaben auf der Webseite in mehrfacher Hinsicht fehlerhaft. Mit Graspapier wird “die Papierwelt ein wenig grüner” – in der Tat.

Graspapier ist mit Heu verdünnter Zellstoff. Gras enthält viel Siliciumdioxid und ist kein Faserstoff wie Holz, der einen wesentlichen Beitrag zu den Festigkeits­eigenschaften von Papier leisten würde, lediglich ein Streckmittel. So wie Mehl oder Zucker im Rauschgift, nur nicht so hell.

Heu enthält braune Farbstoffe, die nach dem Trocknen und dem damit verbundenen Abbau des Blattgrüns (Chlorophyll) zum Vorschein kommen. Das für Graspapier eingesetzte Heu verschlechtert deshalb die Helligkeit und hinterlässt dunkle Flecken.

Unter den Zertifikaten wirbt die Werbe-Webseite mit dem Satz “Die Recyclingfähigkeit von Graspapier wird bestätigt” und einem “Papiertechnischen Institut München”. Ein Papiertechnisches Institut München gibt es allerdings nicht. Es gab einmal die Papiertechnische Stiftung in München. Ein Schreibfehler. Doch das verlinkte Zertifikat bezieht sich auf die “AUSWIRKUNGEN VON GRASPAPPE AUF DAS PAPIERRECYCLING”. Graspappe, nicht Graspapier. Es geht um “aus Graspappe hergestellte Packmittel”. Ein wichtiger Unter­schied.

Aber auch bei Verpackungen stören die Grasflecken. Die Unter­suchung kommt zu dem Ergebnis, dass “aufgrund optischer Inhomogenitäten im aufbereiteten Faserstoff (…) das Muster insgesamt als bedingt rezyklierbar bewertet” wird.

Selbst in der Pappenproduktion stellen die mangelnden Festigkeitseigenschaften der Graspappe beim Recycling bei einer zu hohen Dosierung ein Problem dar. Die Bewertung stellt fest, dass Graspappe  “nur unkritisch für den Recyclingprozess ist, wenn ein konzentrierter Eintrag in einzelne Altpapierströme vermieden wird”.

Fazit: Graspapier führt zu Grasflecken und verringert die Festigkeit. Damit ist es für ein Recycling zu grafischem Altpapier ungeeignet und im Altpapier aufgrund der Gefahr der Verwechslung mit hellem Altpapier unerwünscht.

Axel Fischer

Graspapier: Weiß ist nur, was mit weißer Farbe überdruckt wurde

Umweltzeichen:

Engel und Blumen sollen Vertrauen schaffen

Ein Ökolabel soll dem Kunden signali­sieren, dass er dem Produkt vertrauen kann. So soll die Distanz zwischen Verbraucher und Erzeuger überbrückt werden, denn würde man sich kennen, wäre kein Label nötig. So ist es auch mit dem Blauen Engel und anderen Auszeichnungen für Druckerzeugnisse: Sie sollen Vertrauen schaffen. Deshalb legt man bei Umweltbundesamt und RAL viel Wert auf eine regelmäßige Überarbeitung. Seit dem 1. Januar 2020 gelten neue Regeln für “Recycling­papier” (DE-UZ 14a) und “Fertig­erzeug­nisse aus Recyclingpapier für den Büro und Schulbedarf” (DE-UZ 14b). Das Europäische Umweltzeichen für Druck­produkte wird gerade grund­legend überarbeitet.

Der Blaue Engel für Druckerzeugnisse (DE-UZ 195)

Beim ökologischen Systemvergleich schneiden Papierprodukte aus Altpapier hinsichtlich Ressourcenverbrauchs, Abwasserbelastung, Wasser- und Energieverbrauch wesentlich günstiger ab als Papierprodukte mit überwiegen­dem Primärfaseranteil.

Vergabekriterien, Antragsunterlagen und Online-Antrag auf der Webseite des Blauen Engels.

Hier finden Sie auch eine Liste aller bisher mit dem Blauen Engel ausgezeichneten Druckerzeugnisse.

Um mit dem Blauen Engel ausgezeichnet werden zu können, müssen Druckerzeugnisse nach den Vorgaben des Europäischen Altpapierrats (EPRC) deinkbar sein (Deinkability Scorecard); Klebstoff­applikationen müssen entfernbar sein (Removability Scorecard). Hier sind schon eine Reihe von Klebstoffen als entfernbar eingestuft. Bei der Überarbeitung des Blauen Engel in diesem Jahrist vorgesehen, entsprechend der Scorecard und den bisherigen Erfahrungen gut entfernbare Klebstoffe von einem Test nach INGEDE-Methode 12 auszunehmen.

Die Deinkbarkeit bzw. Entfernbarkeit werden nach den jeweiligen INGEDE-Methoden bestimmt. Bei Fragen zum Test nehmen Sie bitte Kontakt mit uns auf!

Der Blaue Engel für Recyclingpapier (DE-UZ 14a)

Ziel des Umweltzeichens für Umweltfreundliches Recyclingpapier: “Die Anforderungen dieser Vergabe­kriterien zielen insbesondere darauf ab, die Verwendung unterer und mittlerer Altpapiersorten zu fördern und technisch nicht notwendige Stoffe bei der Produktion zu vermeiden.”

Untere und mittlere Sorten bedeutet, dass hier Altpapier aus der haushalts­nahen Sammlung als Rohstoff eingesetzt werden soll, aus dem die Druckfarbe entfernt wird – in einer Deinkinganlage. Hochweiße Recycling­papiere, die überwiegend aus unbedruckten Papierresten aus der Papierverarbeitung hergetellt werden, erfüllen diese Kriterien nicht.

In Zukunft soll dieser Blaue Engel für alle grafischen Papiere und Kartone gelten (für grafische Papiere bis 75 g/m² gilt das DE-UZ 72). Der maximale Weißegrad wurde auf 100 % (inklusive UV-Anteil) festgelegt, ein sehr helles Cremeweiß, das jedoch kein Schnee­weiß ist: Man soll gerade noch sehen, dass es sich um ein Recyclingpapier handelt. Optische Aufheller sind bis auf bestimmte schwere Papiere ausgeschlossen. Damit soll dem Trend zu noch höheren Weißen, die nur noch durch Zusatz von optischen Aufhellern oder Zumischung von unbedruckten Fabrikationsabfällen erreichbar sind, entgegengesteuert werden.

Neben Bisphenol A soll zum Zwecke des Monitoring auch Bisphenol S gemesen werden. Hintergrund ist der zunehmende Einsatz von Bisphenol S in Thermopapieren anstelle des seit 1. Januar 2020 verbotenen Bisphenol A. Nicht nur das Umweltbundesamt sieht auch den Einsatz von Bisphenol S kritisch. In der Schweiz ist Bisphenol S ab 1. Juni 2020 verboten.

Die Neufassung des Blauen Engel für Recyclingpapier soll bis 31. Dezember 2024 gelten und wird demnächst auf der Webseite des Blauen Engel veröffentlicht.

Der Blaue Engel für Fertigerzeugnisse aus Recyclingpapier

(DE-UZ 14b)

Knapp hundert Anwender haben derzeit den Blauen Engel DE-UZ 14b mit mehr als 200 Produkten lizensiert. Der Titel, bisher “Umweltfreundliche Fertigerzeugnisse aus Recyclingpapier für Büro und Schule”, wird mit der Neufassung erweitert.

Bisher steht in den Vergabekriterien unter 3.8, das Fertigerzeugnis “soll deinkbar und gegebenenfalls vorhandene Klebstoffapplikationen sollen abtrennbar sein” – ab sofort ist dies keine Empfehlung mehr, sondern ein Muss. Dabei wurden Ergebnisse eines UBA-Forschungsprojekts aufgenommen und Schmelzklebstoffe (Hotmelts) unter bestimmten Voraus­setzungen von der Verpflichtung zum Test befreit. Die Ergebnisse des Forschungsprojekts, an dem auch die INGEDE beteiligt war, sollen demnächst veröffentlicht werden.

Die Neufassung des Blauen Engel für Fertigerzeugnisse aus Recyclingpapier soll bis 31. Dezember 2024 gelten und wird demnächst auf der Webseite des Blauen Engel veröffentlicht.

Das Europäische Umweltzeichen für Druckprodukte

Umweltfreundliche Druckprodukte — was zeichnet sie aus? Das Europäische Umweltzeichen (EU Ecolabel) definiert seine eigenen Kriterien hierfür (EU Commission decision of Aug 16, 2012).

Die Antragsunterlagen finden Sie hier:
www.eu-ecolabel.de/produktgruppen-kriterien.html

Das Österreichische Umweltzeichen für Druckprodukte

Das Österreichische Umweltzeichen Logo Österreichisches Umweltzeichenzählt zu den Pionieren auf dem Sektor Druckprodukte – hier wurde erstmals konsequent die Deinkbarkeit bei der Zertifizierung verlangt. Da das Umweltzeichen Voraussetzung bei der öffentlichen Beschaffung (Vergabe von Druckaufträgen) ist, gehört es bei Druckereien in Österreich quasi zum guten Ton. DEshalb wurde insbesondere eine Vielzahl von Digitaldruckmaschinen zuerst für das Österreichische Umweltzeichen auf Deinkbarkeit getestet und zertifiziert.

“Druckereien, die das Österreichische Umweltzeichen tragen, verwenden nur umweltfreundliches Papier sowie Toner und Druckfarben, die sich beim Recycling nachweislich vom Altpapier ablösen lassen. Folien und Klebstoffe, die den Prozess stören, sind nicht erlaubt.” (www.umweltzeichen.at)

Österreichisches Umweltzeichen für Druckerzeugnisse (UZ24), Kurzfassung
Österreichisches Umweltzeichen für Druckerzeugnisse (UZ24), Langfassung

INGEDE-Symposium 2020 am 25. März 2020 in München

Die Welt des Papierrecyclings trifft sich jedes Jahr in München: Das INGEDE-Symposium ist weltweit die einzige Veranstaltung, die alle Aspekte des Themas Papierrecycling abdeckt, von der Rezyklierbarkeit über die Altpapiererfassung bis zum Deinkingprozess. Angesichts steigender Mengen an weißen Verpackungen geht es für die Deinker – nicht nur auf dem Symposium – auch um die Frage: Wie kann die Papierindustrie von der neuen Verpackungsgesetzgebung profitieren?

Hier finden Sie das vorläufige Programm des Symposiums.

European Paper Recycling Award in Brüssel verliehen

Bild: Pro Carton, Bearbeitung: Axel Fischer

Preisverleihung im Europaparlament in Brüssel: Den diesjärigen Europäischen Papierrecycling-Preis (Paper Recycling Award) erhielten das deutsche Unternehmen Repulping Technology GmbH & Co. KG für seine technischen Entwickungen und der internationale Verband Pro Carton für Information und Aufklärung über Papierrecycling und Kreislaufwirtschaft.

Die Preisverleihung fand am 21. Januar 2020 im Europäischen Parlament in Brüssel statt, Gastgeberin war Jytte Guteland, Mitglied im Ausschuss für Umweltfragen, öffentliche Gesundheit und Lebensmittel­sicher­heit des Europäischen Parlaments.

Das TICCIT-Schulbildungsprogramm wurde vom Paperboard Packaging Council in den USA mit dem Ziel gegründet, Kinder eingehender über Faltschachteln, Recycling und Umwelt zu unterrichten. Pro Carton brachte TICCIT 2018 nach Europa, wo an die 50 Lehrgänge durchgeführt wurden – in Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Spanien und der Türkei.

Hier finden Sie mehr Informationen über Preisträger und Preisverleihung.

Ein Video von der Preisverleihung finden Sie hier.