INGEDE News January 2023: Verfügbarkeit und Qualität von Altpapier sind auch Themen des nächsten INGEDE-Symposiums

INGEDE-Symposium:
Den Deinkern gehen die
weißen Recyclingfasern aus

Der Verbrauch und damit die Verfügbarkeit grafischer Produkte sind weiter rückläufig. Gleichzeitig werden weiße Recycling­fasern nicht nur in grafischen Produkten zunehmend genutzt. Mit dem Versorgungs­engpass bei grafischen Altpapieren und dessen Ursachen befasste sich unter anderem das diesjährige INGEDE-Symposium am 9. März in München.

Eine Zusammenfassung des Symposiums von Marc Szombathy (EU Recycling)

Die Fachtagung der Deinkingbranche im Haus der Bayerischen Wirtschaft fand erstmals im Hybridformat statt. „Verfügbarkeit“ und „Qualität“ waren die Schlüsselthemen der Veranstaltung mit schätzungsweise 50 Teilnehmenden im Auditorium. Denn die recycelnde Papierindustrie braucht dringend Rohmaterial: Seit Jahren sinken die Mengen an grafischem Altpapier und schwindet dessen
Qualität, die in den Papierfabriken ankommt. Die Corona-Pandemie und aktuell auch der Krieg in der Ukraine haben diesen Trend verstärkt. Es werden weniger Zeitungen und Printmagazine gelesen und dafür mehr Online-Medien konsumiert.

Allerdings profitieren diese Angebote nicht von mehr Werbung, wie Ralph Dittmann (WKS Druckholding GmbH) in seinem Vortrag auf dem INGEDE-Symposium bestätigte: Trotz Internet & Co. mit Newslettern und  Werbemails behauptet sich die Prospektwerbung. Die Herausgeber setzen weiter auf Print und den Postversand an Haushalte. Printwerbung ist nach wie vor die erfolgreichere Werbung.

Studien belegen, dass gedruckte Prospekte, Broschüren, Beilagen, Anzeigenblätter oder Flyer von den Verbrauchern am meisten wahrgenommen werden. „Im Lebensmittelhandel ist der gedruckte Prospekt mit einem Werbebudget-Anteil von gut 50 Prozent Leitmedium im Mediamix“, zitierte Dittmann eine Untersuchung des EHI-Instituts von 2021: „70 Prozent der befragten Marketing­verantwortlichen des Lebensmittelhandels halten den Prospekt auch künftig für unverzichtbar, weil er effektiv ist, eine große Reichweite hat und ein umfangreiches Produktangebot auf einen Blick präsentieren kann.

Die Altpapier-Zusammensetzung hat sich verändert

Dennoch nehmen der Verbrauch und damit die Verfügbarkeit grafischer Produkte für das Recycling kontinuierlich ab. Nach den Ausführungen von Thomas Krauthauf, Vorsitzender der Internationalen Forschungsgemeinschaft Deinking-Technik e.V. (INGEDE), werden weiße Recyclingfasern nicht nur in grafischen Produkten vermehrt genutzt, sondern auch in nicht-grafischen, weißen Papier- und Verpackungssegmenten, in Tissue sowie in technischen Spezialpapieren. Im Jahr 2021 entstanden durch diese Entwicklung in Verbindung mit der raschen Erholung nach dem ersten Coronajahr massive Versorgungsengpässe bei grafischem Altpapier. Die sich daraus entwickelnden Stillstände bei Herstellern grafischer Recyclingpapiere trugen nicht unwesentlich zur Papierknappheit bei Druckereien bei. Verantwortlich für die Versorgungsengpässe ist laut Krauthauf das Downcycling weißer grafischer Produkte in braune Verpackungsprodukte – insbesondere aus der privaten Haushaltssammlung. Die Altpapier-Zusammen­setzung in der Blauen Tonne habe sich verändert, und es seien mehr Fehlwürfe festzustellen. Die Tonnen seien zunehmend mit Verpackungspapieren und nur noch zu 50 Prozent mit Deinkingware befüllt. Sortieranlagen sind auf 60 bis 70 Prozent Deinkingware ausgelegt, und schon jetzt gehe ein zu großer Teil des gesammelten Altpapiers an den Sortieranlagen und damit an den Deinking-Anlagen der Papierfabriken vorbei und direkt in die Verpackung. Hier steige die Nachfrage durch den Online-Handel weiter an.

Der Begriff „Abfall“ sollte verschwinden

Den Deinkern drohen somit die weißen Recyclingfasern auszugehen. Krauthauf äußerte in diesem Zusammenhang auch die Befürchtung, dass Sortieranlagen Altpapier­lieferungen nur noch gegen Bezahlung annehmen könnten, wie das bei Müllverbrennungsanlagen bereits der Fall ist. Diskutiertwird das schon länger und würde das Deinking und Recycling deutlich verteuern. Krauthauf sprach
sich abschließend dafür aus, dass der Begriff „Abfall“ aus der Gesetzgebung verschwindet: „Abfallverwertungsanlagen sind Produktionsanlagen.“

Magali Frontero, Gründerin und Geschäftsführerin der unabhängigen Umweltberatung Ecophyse und Vize-Präsidentin des Abfallwirtschaftsverbandes Federec, stellte anschließend das Sammelsystem für Altpapier in Frankreich vor, das Sortieranlagen Anreize zur Steigerung der Sortierleistung bietet und über die Verbände Citeo, Adelphe und Leko organisiert wird, die die Interessen der französischen Papier- und Verpackungshersteller vertreten. Systembetreiber sind von den Distributoren gegründete Unternehmen der Privatwirtschaft. Diese werden für die Dauer von fünf Jahren von den staatlichen Behörden mit der Durchführung der Sammlung beauftragt. Dabei können die Lizenzen verlängert werden. Für die Sammlung von grafischen Papieren ist seit 2017 Citeo allein verantwortlich. Anders als in Deutschland werden in Frankreich auch Papier und Kartonagen im Gelben Sack gesammelt.

Gleichbleibende Qualität und wirtschaftlicher

Der Vortrag von Arne Krolle (PROPAKMA GmbH) warb für die Zertifizierung von Sortieranlagen in Deutschland und EU-weit. Das würde mehr Erlös bringen und für weniger Retouren sorgen und damit die Zusammen­arbeit der Betreiber mit den Papierherstellern wirtschaftlich optimieren. Nach Auffas­sung des Experten ermögliche die Bewertung von Sortierungen über eine neutrale Qualifizierungs-Stelle und -Methode moderne Sortiertechniken und einen Vergleich von nationaler und internationaler Wert­stoffqualität.

Die Ausweitung der Ressourcen recycelter Fasern könnte innerhalb der Europäischen Union und auch durch Verwertung von weiteren Sortierströmen die Engpässe bei verfügbaren Fasern verbessern, ist Krolle überzeugt: Die Einhaltung der DIN EN 643 und der INGEDE-Methoden sicherten gleichbleibende Qualität. Eine Zertifizierung der Prozesse auf der Basis bestehender Erkenntnisse und aktueller Forschung reduziere den Arbeitsaufwand in der Wareneingangskontrolle und ermögliche den gezielten Einsatz definierter Qualitäten. Im Dezember 2021 starteten die INGEDE und die Vereinigung Pack- und Wellpappenpapiere (Die Papierindustrie e.V.) ein Evaluationsprojekt, das noch bis zum 31. März 2023 läuft. Als mögliche Forschungspartner werden genannt: Intecus, bifa Umweltinstitut, TU Clausthal, RWTH Aachen und Montanuniversität Leoben.

„Wer bezahlt die Party?“

Ist Sortieren noch wirtschaftlich? Das hinterfragte Detlef Thom (ROWE GmbH) aus Sicht eines Anlagenbetreibers. Denn die Papiermengen aus Haushalts­sammlungen sind rückläufig, während der Anteil an Verkaufs­verpackungen und Kartonagen in der Blauen Tonne deutlich zunimmt. Auch ändert sich die stoffliche Zusammensetzung der Verpackungen. Durch die Digitalisierung gehen Prospekte,
Werbebeilagen, Zeitschriften und Zeitungsdrucke massiv zurück. Funktional beschichtete Papiersorten (Composites) finden sich immer häufiger in der Sammlung wieder.

Die Preisunterschiede zwischen den Sorten Mischpapier, Altwellpappe (OCC) und Deinking nehmen ab, während die Sortierkosten, die derzeit nur von der grafischen Papierindustrie getragen werden, aufgrund des Volumenwachstums und des höheren Sortieraufwandes, steigen. „Wer bezahlt die Party?“ Thom sieht im Sinne der erweiterten Herstellerverantwortung auch die Inverkehrbringer nicht-grafischer Papiere und anderer Verpackungsmaterialien in der Pflicht, sich an den Kosten für die Sortierung, Aufbereitung, Verwertung und Entsorgung zu beteiligen: „Wenn es keine Regularien gibt, wird es eine Scheinsortierung geben.“

Trittbrettfahrer im Onlinehandel hätten weiter leichtes Spiel, weshalb Thom auch eine Verpackungs­steuer fürnotwendig erachtet. Eine Sortierung sei sinnvoll, um Stoffströme wieder in den Urzustand zu bekommen, und sollte in eigenen Anlagen erfolgen – und nicht von den Papierfabriken selbst geleistet werden.

Viel Farbe auf wenig Fasern

Dennis Voß (Steinbeis Papier) stellte Untersuchungen der INGEDE zur Deinkbarkeit von Prospekten und Broschüren vor. Besteht ein Zusammenhang mit dem steigenden Anteil an Werbedrucksachen im Altpapier mit viel Farbe auf dünnem Papier? In den vergangenen Jahren beobachteten immer mehr Mitglieder der Forschungsgemeinschaft Veränderungen in der Performance der Deinkingprozesse: sinkende Weißgrade und Probleme, die Zielwerte nach der Aufbereitung überhaupt zu erreichen. Da dies in verschiedenen Unternehmen auftritt, könne ein einzelnes Prozessproblem ausgeschlossen werden: Es müsse mit dem verfügbaren Rohstoff Altpapier zusammenhängen. In den normalen Deinking-Mischungen und Haushaltssammlungen sind anteilig zunehmend Werbeprospekte und Broschüren zu finden, die vollflächig farbig bedruckt sind – auf dünnem Papier. Es zeigt sich viel Farbe auf wenig Fasern.

Um festzustellen, ob sich die Deinkbarkeit von Prospekten und Broschüren in den letzten Jahren geändert hat und die Probleme in den Deinkinganlagen unter Umständen auf diese Änderungen zurückzuführen sind, untersuchte die INGEDE gezielt ausgewählte Broschüren, um mögliche Einflussfaktoren definiert zu variieren. Es konnte jedoch kein direkter Einfluss der Papiersorte und keine direkte Beeinflussung durch Aschegehalt oder Entaschung während der Flotation festgestellt werden. Auch seien schlechtere Ergebnisse für verschiedene Drucktechniken sichtbar. Das Deinkingpotenzial wird bestimmt durch das „Ausgangsniveau“, die Helligkeit nach dem Auflösen (UP), und die Möglichkeit des Helligkeitsgewinns während der Flotation (DP-UP). Diese wird stark beeinflusst von Druckbild, Farbenmenge und dominierenden Farben (Farbton a*). Eine hohe Druckfarbenmenge fordert die Farb­entfernung während der Flotation heraus. Unter bestimmten Bedingungen ist auch die Überführung in das Prozesswasser (Filtratverdunkelung) möglich.

Dauerhaft einsetzbar in Druckereien?

Seit 2016 arbeitet die Fogra (Forschungsinstitut für Medientechnologien e.V.) an der Markteinführung von mineralölfreien Coldset-Farben. Philipp Stolper (Fogra) berichtete über ein Forschungsprojekt, das das Ziel verfolgte, zwei Farbserien für den dauerhaften Einsatz in Druckereien zu entwickeln. Dies sollte durch dreimonatige Praxisversuche nachgewiesen werden. Neben der Anwendbarkeit lag ein Schwer­punkt auf der Deinkbarkeit der Produkte sowie auf der Analyse der Mineralölgehalte nach der BfR-Methode. Die neu entwickelten Druckfarben wurden in der Frankfurter Societäts-Druckerei eingesetzt; somit wurde die Funktionalität nur auf einem Coldset-Maschinentyp getestet.

Erste Druckversuche auf der Coldset-Maschine begannen 2018; seitdem wurde die Deinkbarkeit von Druckmustern aus der Coldset-Maschine mit Hilfe der INGEDE-Methode 11 überwacht. Im Jahr 2020 waren die Druckfarben bereit, in einem Langzeitversuch für drei Monate eingesetzt zu werden. Während dieser Zeit wurde die Deinkbarkeit regelmäßig überprüft. Zusätzlich konnten identische Druck­muster mit den konventionellen Farben eines Farbherstellers hergestellt werden. Für diese Deinkbarkeitstests wurden zwei Papiersorten verwendet, eine mit 50 Prozent DIP und eine, die aus 100 Prozent DIP bestand. So wurde die Deinkbarkeit der mineralölfreien Druckfarben mit der der konventionellen, mineralöl­basierenden Druckfarbe verglichen. Die Ergebnisse zeigen, dass das Problem der mangeln­den Deinkbarkeit mineralölfreier Coldset-Farben noch nicht gelöst ist und weitere Anstrengungen unternommen werden müssen, um dieses Ziel zu erreichen.



Axel Fischer (INGEDE) und Ralph Dittmann (WKS)

Axel Fischer und Ralph Dittmann
(Foto: M. Szombathy)

Aktuelle Meldung zum Thema Werbepost:

Das Justizministerium hat das Ansinnen der Deutschen Umwelthilfe (DUH), Werbe­post nur auf ausdrückliche Bestellung zu erlauben (“Opt-in-Regelung”), auch im zweiten Anlauf vorläufig zurück­gewiesen. Erst in der kommenden Legislaturperiode soll über eine Gesetzesänderung entschieden werden.

Werbepost sei beispielsweise für den stationären Handel “ein wichtiges Instru­ment der Absatzförderung”. Darüber hinaus könne eine Opt-In-Regelung auch die Presse­freiheit betreffen, wenn etwa Anzeigenblätter mit redaktionellem Teil von einem Verbot erfasst würden.

(Quelle: dpa,
beispielsweise via Süddeutsche Zeitung)


INGEDE-Symposium 2022: Saal/Audience


Victor Reutenauer (Fotonower)

Victor Reutenauer (Bild: A. Fischer)


Eine Diskussion über das Thema Papier­knappheit auch auf der (amerikanischen) Webseite PrintPlanet.




The First International ZELLCHEMING-Conference

Cellulose-Based Materials – From Science to Technology will now take place from June 26–29, 2022, in the RheinMain CongressCentrum (RMCC) Wiesbaden, Germany.

More details …

Was künstliche Intelligenz leisten kann

In 2021 startete das Verbundprojekt ODiWiP von Softeware-Entwickler Consultingtalents, Leipa Group, Fraunhofer-Institut Dresden (IVV-DD), Universität Siegen (IPEM) und Tomra Sorting. Näheres dazu war von Detlef Eichhorn (Consultingtalents) zu erfahren. ODiWiP steht für: Optimierung durch Digitalisie­rung des Wertstoffkreislaufs in der Papierindustrie, basierend auf dem Einsatz moderner KI-Tools. Das Projekt ist Teil der FONA-Initiative (Forschung für Nachhaltigkeit) des Bundesministeriums für Forschung und Bildung. Ziel ist die Optimierung durch Digitalisierung und Nutzung von künstlicher Intelligenz im Papier­wertschöpfungs­kreislauf: von der Sammlung und Sortierung des Altpapiers über den Transport zur Papierfabrik bis hin zur Aufbereitung und eigentlichen Papierproduktion und der Versandlogistik. Beim Industriepartner wird der Prototyp eines selbstlernenden digitalen Assistenz­systems mit KI-gestützter Prognose entwickelt.

Weitere Details zum Programm unter www.ingede.com/symposium.

(Bearbeitung und Links Axel Fischer)


Optimierter Wertstoffkreislauf in der Papierindustrie
Ressourcenschonung beim Recycling von Altpapier und
der Papierproduktion durch Digitalisierung

Neu im INGEDE-Vorstand:
Dr. Matthias Friedrich und Andreas Rauscher

Zwei neue Vertreter der Mitgliedsfirmen ersetzen die ausgeschiedenen Vorstandsmitglieder Manfred Geistbeck und Michael Söffge. Rauscher wurde von der Mitgliederversammlung zum stellvertretenden Vorsitzenden der INGEDE gewählt

Die Mitgliederversammlung der INGEDE wählte Andreas Rauscher (Steinbeis Papier) und Dr. Matthias Friedrich (Stora Enso) neu in den Vorstand. Rauscher wurde gleichzeitig zum stellvertretenden Vorsitzenden gewählt, Dr. Thomas Krauthauf (UPM) im Amt als erster Vorsitzender bestätigt.

Andreas Rauscher ist seit Februar 2022 technischer Geschäftsführer bei Steinbeis Papier. Er verantwortet die Bereiche Technik, Produktion sowie Forschung und Entwicklung. Er trat mit allerhand Erfahrungswerten aus der Papierbranche in Glückstadt an: Zuletzt war der 56-jährige für die Zellstoff Pöls AG tätig. Bei dem österreichischen Unternehmen führte er ab Mitte 2018 als CEO die Zellstoffproduktion und Produktion von Kraftpapier.

Nach dem Studium zum Diplomingenieur Verfahrenstechnik konnte sich Rauscher als Experte und Führungskraft in unterschiedlichen leitenden Funktionen etablieren: Der Einstieg gelang ihm bei MD Papier in Plattling. Sein Weg führte ihn weiter zum UPM Konzern erst nach Steyrermühl, bald darauf übernahm er am Standort in Schwedt den Werksleiterposten. Als Technischer Geschäftsführer in einem Werk der delfortgroup in Finnland konnte er seine Führungsstärke und sein technisches Know-how unterstreichen. So empfahl Andreas Rauscher sich auch für die Geschäftsführerposition bei Steinbeis Papier – und damit auch als stellvertretender Vorsitzender der INGEDE, wo er unter anderem für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist.

Matthias Friedrich studierte Maschinenbau in Aachen und promovierte dort nach einer Masterarbeit am Fraunhofer Resource Center in Massachusetts (USA). Er begann bei Stora Enso zunächst im Werk Maxau (Karlsruhe), dann zwei Jahre in China bei Stora Enso Huatai (Shandong) Paper, Dawang. Danach wurde er Director Business Development & Investments bei der Abteilung Publication Paper in Düsseldorf und qualifizierte sich berufs­begleitend im Rahmen einer Executive MBA Study an der TiasNimbas Business School in Eindhoven (Holland) und der Bradford University (UK). Seit 2016 ist er Senior Vice President, Head of Operations Paper Division, bei Stora Enso in Düsseldorf.

Den Dialog intensivieren

Gemeinsames Ziel der INGEDE-Mitglieder ist es, die Wiederverwertbarkeit graphischer Druck­produkte zu erhalten und zu verbessern. Das heißt in der Praxis, diese Druckprodukte sollen als Rohstoff zur Herstellung weißer, meist graphischer Papiere dienen. Das wiederum setzt die Verwendung recyc­ling­gerechter (deinkbarer) Druckfarben, Druck­systeme und Klebstoffe voraus. Im Vorstand der INGEDE werde ich mich mit aller Kraft dafür einsetzen, dass der Dialog mit den Herstellern von Druckerzeugnissen, Druck­systemen und Druckfarben sowie von Kleb­stoffen aufrechterhalten und intensiviert wird, und dass das gemeinsame Verständnis für die Rezyklierbarkeit weiter verbessert wird.

Andreas Rauscher

Der strukturelle Rückgang von grafischen Papieren und die immer schwierigere Versorgung mit geeignetem Altpapier für neues grafisches Papier macht es für alle Marktteilnehmer entscheidend, die Recycling­raten hoch zu halten und konsequent „end of waste“ Prinzipien umzusetzen. Die INGEDE leistet hierbei einen wertvollen Beitrag, Interessen zu kanalisieren und zu formulieren.

Für Stora Enso ist die INGEDE wichtig, um die Rezyklierbarkeit von Papier- und Karton­produkten weiterhin sicherzustellen und gemeinsam mit unseren Kooperations­partnern zu verbessern.

Matthias Friedrich

Das Blaue vom Himmel:
INGEDE fordert EDEKA auf, den Aufdruck “recycelbar” von den blauen Kassenzetteln wegzulassen

Nach EDEKA setzen auch Lidl und Obi auf die blauen Kassenzettel (“Blue4est”). Diese werden beworben mit dem Aufdruck “über das Altpapier zu entsorgen und recycelbar”. Diese Behauptung ist allerdings nur bedingt richtig: Die Kassenzettel enthalten große Mengen schwarzer Farbe, die sich beim Recycling nicht entfernen lässt, und schon in geringen Mengen massiv die Helligkeit von Recyclingpapier beeinträchtigen kann.

Bei der Herstellung von Wellpappe, so der Hersteller von Blue4est, störten die Kassenzettel nicht, allerdings landen längst nicht alle bei der Sortierung auch wirklich bei den Verpackungen. Zu viele gelangen mit anderen kleinen weißen Papieren in diejenigen Fraktionen, aus denen Papierfabriken bisher weißes Altpapier gemacht haben — diese sind inzwischen für die Herstellung neuer grafischer Papiere unbrauchbar.

Nach langen Diskussionen mit dem Hersteller wendet sich die INGEDE jetzt an EDEKA mit der Bitte, auf die Rezyklierbarkeits-Behauptung zu verzichten. EDEKA, überrascht von der eigentlich lange bekannten Problematik, hat eine Prüfung zugesagt.

Eine umfangreiche Untersuchung der INGEDE zu den neuen, farbentwicklerfreien Kassen­zetteln (“Ökobon”) belegte Beobachtungen, über die hier schon mehrfach berichtet wurde (INGEDE News Februar 2020): Die blauen Kassenzettel dürfen entgegen den Behauptun­gen von Lidl, Edeka & Co. nicht ins Altpapier!

Kein Blauer Engel für die blauen Bons: Siehe INGEDE News Juni 2022

Ein einziger Kassenzettel (1,5 Gramm) genügt nach aktuellen Untersuchungen der INGEDE, um drei Kilogramm weißen Altpapiers gleich um drei Punkte in der Helligkeit zu verschlech­tern, da sich der schwarze Farbstoff beim Recycling nicht ausreichend entfernen lässt.

Schon 2019 zeigten Experimente, dass sich die schwarze Farbe aus den blauen Kassenzetteln beim Recycling nicht entfernen lässt.

Stimmt und stimmt nicht: 

Ja, der blaue Kassenzettel enthält keine chemischen Farbentwickler. Aber nein, der blaue Kassenzettel sollte auf keinen Fall mit dem Altpapier entsorgt werden! Der schwarze Farbstoff führt zu massiven Helligkeitsverlusten beim Recycling.

Deshalb: Blaue Kassenzettel (“Ökobon”) gehören wie alle anderen Thermopapiere in den Restmüll!

UP = undeinkter Stoff (rechts), DP = deinkter Stoff


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Papierrecycling als Thema:
Die Zukunft von Printprodukten – oeding Print im Interview

Das Thema Papierrecycling und Deinkbarkeit taucht immer wieder in der Fachpresse und in Blogs der Druckbranche auf.

oeding-print sagt, dass die Zukunft von Print grün ist. Lesen Sie dazu das Interview mit Roland Makulla!

Bild: Fischer/INGEDE


“Elektronische Medien sind nur manchmal ökologisch vorteilhaft.” Unter diesem Titel veröffentlichte der VDMA als Auftraggeber die IZT-Studie zum ökologischen Vergleich von Print- und Online-Medien. Vor der Publikation dieser Studien im Jahr 2012 lagen konkrete Daten über die Umwelteffekte der digitalen Mediennutzung kaum vor. Vor diesem Hintergrund untersuchte das IZT verschiedene elektronische Medien und Druckmedien hinsichtlich ihrer Umweltbelastungen in der Herstellung, Distribution, Nutzung und Entsorgung. Vier Medienvergleiche fanden statt: 1. Buch versus E-Book, 2. Tageszeitung (“Die Süddeutsche”) versus Online-Zeitung, 3. Printkatalog (“Otto”) versus Online-Katalog, 4. Lehrbuch versus Online-Bibliothek. Mehr dazu hier.

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